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Westlich gesinnte Faustballgötter

Conrad Aschwanden 13.01.2012

OLTEN. 10:4, 145:97 + 73:29 = 1:3 - so die Denkweise des nationalen Verbandes bei der Aufstockung der Nationalliga B und der neuen Unterteilung in Ost und West.

In diesen Tagen hat die technische Kommission (TK) des nationalen Verbandes entschieden, dass die Nationalliga B von acht auf zwölf Mannschaften aufgestockt wird und neu auch die Reserveteams aufsteigen können. Dabei ist sie einmal mehr ihrem Grundsatz "Schutz des Westens" treu geblieben. Statt den noch immer florierenden Osten fair zu behandeln und seine (noch vorhandene) Stärke zu schützen, wird der serbelnde Westen künstlich hochgehalten.

 

Die Fakten:

10:4: In der bisher von der TK nicht beeinflussbaren Hallenmeisterschaft stellt der Osten zehn der insgesamt 14 Teams - alle sechs NLA-Mannschaften (!) sowie die Hälfte der NLB-Teams.

145:97: In den regional organisierten unteren Ligen (2. - 5.) stellt der Osten 3/5 der Mannschaften. Wobei die Verbandsstatistik wohl noch einen gewaltigen Fehler zu Gunsten des Westens enthalten dürfte. Denn es ist kaum anzunehmen, dass die Region BE/FR/VS in der Halle 33 Vereine stellen soll, wenn nur sieben die Feldmeisterschaft bestreiten.

73:29: Die Zahlen der Nachwuchsteams, die sich im Osten und Westen an der Hallenmeisterschaft beteiligen. Diese verdeutlichen, wo der Faustball (noch) verbreitet ist.

1:3: Die Vorstellung der TK zur Verteilung der vier zusätzlichen/neuen Plätze in der Nationalliga B.

 

Unverständlich für den Osten

Ein absolut unverständlicher Entscheid. Denn er benachteiligt klar die Vereine, die im Schweizer Faustball dem Osten zugerechnet werden (bis und mit Kanton Zürich). Er bestimmt, dass keine Mannschaft aus der NLB absteigt. Und im Weiteren wird nicht nach den Beteiligungsquoten in der Meisterschaft, sondern lediglich zwischen Ost und West unterschieden. So wie in der laufenden Meisterschaft die NLB-Teams sich mit je der Hälfte schön die Waage halten, wird auch die neue Einteilung vorgenommen. Es bleiben also in den neuen NLB-Gruppen jeweils zwei Plätze frei. Da aber der NLA-Absteiger nur eine Mannschaft aus dem Osten sein kann, bleibt für den faustballstarken Teil der Schweiz lediglich ein Platz.

Anders im Westen, der mit Oberentfelden höchstwahrscheinlich den Aufsteiger stellt. Denn die Aargauer dominieren auf eindrückliche Weise die NLB-Meisterschaft (fünf Siege mit 3:0 Sätzen). So dürften in der NLB-Westgruppe drei Plätze neu zu besetzen sein. Die Sieger der beiden Erstligagruppen im Osten müssen um den letzten NLB-Platz in der Ostgruppe ein Entscheidungsspiel austragen - am Samstagmorgen 25. Februar zur Eröffnung des Finalevents in Widnau. Dagegen steigen die Erstplatzierten der beiden Erstligagruppen im Westen automatisch auf und die beiden Zweiten bestreiten um den dritten Westplatz ein Entscheidungsspiel.

 

Schlicht übergangen

Gleichzeitig mit diesem unverständlichen Entscheid hat sich der Verband weiteren Missmut mit der Tatsache eingehandelt, dass er nicht mit sich diskutieren lässt. So wurden Interventionen betreffend der Auf-/Abstiegsentscheidung zwischen Osten und Westen auf dem Feld schlicht übergangen. Die gesamte Situation ist für die „Ostschweizer“ unverständlich, doch deren massive Kritik wird nicht gehört. So erstaunt es wenig, dass sogar langjährige Funktionäre laut über einen Rücktritt nachdenken.

 

Rebstein bleibt in der 1.Liga / Schlossrued steigt auf

Diskussionslos zur Tatsache scheint auch die umstrittenen Aufstiegsentscheidung in der Feldmeisterschaft zu werden. Wie jetzt neu auch in der Halle wird nicht nach Beteiligung sondern nur zwischen Ost und West unterschieden. Dies obwohl in den letzten Jahren immer wieder Ost-Mannschaften in der Westgruppe mitspielten. Aktuell ist dies der STV Schlieren. So konnten drei Mannschaften aus dem Westen aber nur der Erste (Waldkirch) und Zweite (Ohringen) aus dem Osten aufsteigen. Der drittplatzierte TV Rebstein muss in der ersten Liga bleiben. An Glaubwürdigkeit endgültig verloren hat die TK mit dem neuesten Entscheid: Da sich der TSV Deitingen aus der NLB-Westgruppe zurückzieht, darf auch der viertplatzierte "Westler" (Schlossrued) aus der Auf-/Abstiegsentscheidung vom vergangenen September aufsteigen.